Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen

von Johannes Menze

Einem Nachtwächter gleich lugt der olle Mond in den Burghof. Einsam geistert eine Gestalt in die Burgkapelle. Komisch, denkt sich der Mond. Die spektakulären „Bilder des Tages“ sind doch schon längst durchgerattert und der Beamer, der außer Rot alle Farben an die frisch gestrichene Wand schmeißt, ist längst erkaltet. Die Rotschwäche kommt wegen eines Wackelkontaktes, aber ohne Strom (und des Nächtens sowieso) ist das nimmer relevant.

Schnell huscht der Mond durch die noch nicht verriegelte Burgtür, blinzelt durch die Wendeltreppenfenster und schleicht wie ein Gespenst schwebend in den zweiten Stock. Ein unglaubliches Bild bietet sich dem Mondgesicht, die Wände halbhoch mit leise vor sich hin raschelnden Plastikfolien abgeklebt.  Es rauscht das Lied von Schlafraum sechs, wo die Tür zum Jugendrefugium derartig weit aufstand, dass die Staubwolken sich dort heimisch gemacht hatten.

Schietkrams, Staublunge! dachte sich der Mond, noch bleicher als sonst. Und erblickte zwei, drei nein vier auf die Mondterrasse hoch schwebende Matratzen. Ja, ja dachte sich das Himmelsgestirn und freute sich über die Idee: Einschlafen und, statt Schäfchen zählen, funkelnde Sternbilder gucken.

Er setzte sich noch etwas ans Lagerfeuer, stocherte in den Flammen herum, erfreute sich an den nächtlichen Umtrieben in Neuerburg und sang leise „Dem Mond ist aufgegangen“ vor sich hin. Schon sehr schön, dass die Türen der Jugendburg und die Tore des Himmels so weit offen stehen. Der Mond musste herzhaft-herzlich gähnen und darüber schlief er ein. Und wenn ihn der weiße Nebel wunderbar nicht vorzeitig weckt, verweilt er an der Grillhütte bis zum Morgenlob.

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.