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"Eine Ahnung vom Reich Gottes"

20.08.2018 09:35 von Johannes Menze (Kommentare: 1)

Sicherlich, das Leben ist eine Baustelle.  Der Spruch trifft für Ora-et-Labora durchaus zu. Und wie ist das Leben auf der Baustelle?  „Eine Ahnung vom Reich Gottes“, deutet Heribert Graab SJ das Miteinander auf der Neuerburg. Und wenn es einer einschätzen kann, wenn einer verwurzelt ist mit der Jugendburg, wenn einer mit dem Neuerburger Lebenverankert ist, dann ist es Heribert. 

1952 fuhr er erstmals auf die Kartage des ND. Damals hatte die Luxembourger Armee die Burg gerade geräumt. Die heutige uns vertraute Burgkapelle gab es noch nicht.  Die Feier der Kartage, erst mit Erwin Iserloh, dann mit Franz Mahr, haben Heribert geprägt. Später inspirierte er als KSJ-Geist selbst die Feier der Kar- und Ostertage. 

Die befreiungstheologischen Akzente von damals klingen heute noch im  Morgenlob und den Abendimpulsen durch und erweisen sich als überraschend aktuell. Da kraxelt Heribert früh morgens auf eine Leiter und vermittelt Eindrücke vom Turmbau zu Babel und der Verwirrung der Leute.  Auch die neu angeschaffte Schubkarre wird mittels einer Art Werkzeugsegnung in die Burgbaustelle integriert. Nicht nur in der Burgkapelle, auch beim Feuer-Gottesdienst an der Grillstelle zündet das „Die Sache Jesu braucht Begeisterte“ prima. 

Überhaupt, manches Lagerfeuer hätte ohne das Feuerzeug von Heribert gar nicht Funken geschlagen.  Und die morgendlichen Gedanken finden sich unvermutet über den ganzen Tag wieder. Wenn es darum geht, dass einer des Anderen Last trage, und wir gemeinsam Balken schultern oder wenn wir Realisten plötzlich Wunder bestaunen: Perfekt zusammenpassende Bankelemente oder auftauchende volle Kaffeekannen. Heriberts Theologie erweist sich handfest. Was nicht verwunderlich ist, denn während wir hämmern, schrauben, streichen, sägen, feilte Heribert an den Gottesdiensten und Impulsen, tauchte hier und dort auf der Baustelle auf, neugierig auf Menschen und Geschehen. 

An das letzte Morgenlob fügte Heribert die persönliche Notiz an, dass er nach zehn Jahren als Burgkaplan aufhöre. Er werde ja nicht mehr jünger, und die Vorbereitungen gingen ihm nicht mehr so rasch von der Hand, als er noch vierzig oder fünfzig gewesen sei.  Gerne komme er noch zu Gottesdiensten, aber nicht mehr die gesamte Zeit.  

Was waren wir erfreut, als der Köln-Rückkehrer nach seinen Göttinger Zeiten aus Verbundenheit mit der Neuerburg sofort für Ora zusagte. Als Burgbeauftragter organisiert Bernard Heckenbücker die Arbeiten zu Labora sachlich und funktional. Bernard bewundert Heriberts priesterliche Beständig- und Verlässlichkeit, die erforderlichen praktischen Wirklichkeiten am handwerklichen Werkeln mit der theologischen Essenz des Glaubens zu verbinden. Ganz im Sinne der Bitte des Buch der Sprüche 9, 1-6: „Er lädt uns zu eine Geschmack des Leben, an einem Leben in Fülle und in Gemeinschaft, umsichtig, nachhaltig, ohne Hass und Gewalt."

Auch der Dachdeckermeister Johannes Ambros aus Neuerburg schätzt die herzliche Art von Heribert. „Er hat sich für uns Handwerker interessiert, was wir machen und wie es uns geht. Wenn es mehr Priester wie ihn gebe, dann wären die Kirchen wesentlich voller.“  Die Beobachtung beim Morgenlob bestätigt das: Egal, wie spät Party oder Lagerfeuer geendet sind oder die müden Knochen frühmorgendlich noch zusammengesammelt werden mussten, die Burggemeinde ist komplett. 

Heribert wird fehlen. Aber seine Devise bleibt:  Einfach Anfangen, einer trage des Anderen Last und Wunder sind nicht ausgeschlossen.  Herzlichen Dank, Heribert.

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Kommentar von Hilke | 24.08.2018

Lieber Heribert,
vielen Dank für all Deine Energie und Begeisterung, die Du uns in den letzten 10 Jahren auf der Burg (und darüber hinaus) geschenkt hast. Wir werden alle zusammen dein Erbe auf der Burg antreten und wünschen Dir viel Spaß im "Burgkaplan-Ruhestand", der ja immer noch prall gefüllt ist mit den vielfältigsten Aufgaben und Herausforderungen!

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